|
|
|
Aus denkwürdigem Anlaß - von wegen "nur Putzkraft" - es geht um die Menschen: Ein großartiger Erfolg - die Kündigung
gegen Frau Olga Stecker wurde zurückgenommen - sie wird weiterbeschäftigt:
Das können jetzt noch ein paar mehr Jahre an der Uni werden . . . :-))
Auch der frühere Präsident der Universität, Prof. Dr. Michael
Daxner, schrieb: "Ich schließe mich dem Protest an. Ich kenne Frau Stecker
und halte ihre Kündigung für höchst unangemessen."
Schuften bis zum Umfallen - und dann raus?
Über unsere und der Uni nachhaltige Verantwortung für
Menschen und Mitwelt
Frau Olga Stecker arbeitet nur als Putzkraft an der Uni.
Nur? Seit 17 Jahren kommt sie morgens um 4 Uhr (!), um mit
ihren Kolleg_inn_en die Hinterlassenschaften zu beseitigen,
die tags zuvor bei der täglichen Großveranstaltung Uni
bereitet wurden. 5000 Essen gibt beispielsweise die Mensa
an einem normalen Tag im Semester aus. Hinzu kommt der ganz
normale Betrieb von Bibliothek und Cafeteria (ca. 3500
Kund_inn_en). Da bleibt täglich eine Menge liegen, was
nachbereitet sein will und soll. Zur Zeit des
Winterstreudienstes gibt es besonders viel zu tun.
Putzen - eine Arbeit mit Verantwortung
Hinzu kommt, dass die Arbeit auch in Bereiche höherer
Verantwortung führt: In etlichen Büros befinden sich
sensible personenbezogene Daten, Ergebnisse von Forschungen
und wertvolle Gegenstände. Seit 17 Jahren macht Olga
Stecker diese Arbeit - die körperlich anstrengend ist. Die
Folge bekam sie zu spüren: seit längerem litt sie unter
Schmerzen, nun war eine schwere OP an der Hüfte nicht mehr
zu vermeiden. Mitte September war es soweit. Olga Stecker
macht die Arbeit gerne und möchte die Universität weiter
betreuen und bedienen. Deshalb hatte sie ihre Tochter
gebeten, in der Zeit der Genesung die Stelle auszufüllen.
Diese hatte selbst vorher bereits in der Uni gereinigt und
war deshalb mit dieser Arbeit bestens vertraut. Die Firma
war einverstanden - alles schien zum Besten geregelt.
Die Kündigung
Bis jetzt dieser Tage ein Schreiben der Firma zu ihr nach
Hause flatterte: Der Arbeitsvertrag wird nicht verlängert.
Lapidar, keine Begründung, kein Bedauern, keine Anerkennung
für die lange Tätigkeit - einfach gleichgültig, eiskalt,
widerwärtig und ekelhaft.
Solidarität ist möglich
Wem das so nicht egal ist - es gibt eine einfache
Möglichkeit, Olga Stecker Solidarität zu bekunden -
dort ist eine Unterschriftenliste abzurufen:
Klick
(Die Unterschriftenlisten können an die Gewerkschaft IG BAUEN AGRAR UMWELT,
Kaiserstr. 4-6, 26122 Oldenburg, geschickt werden. Die Listen
können auch dorthin gefaxt werden: 0441, 25934
Es gibt momentan kein zeitliches Limit - je eher die Listen dort abgegeben
werden - um so besser. Zudem besteht die Möglichkeit, den Protest per E-Mail
kundzutun: oldenburg@igbau.de )
Gefordert sind Mut und Lautstärke
Olga Stecker ist nicht nur fleißig und zuverlässig - sie
ist auch mutig und macht den Mund auf. So kontaktierte sie
die Gewerkschaft IG Bau auf, wodurch Pressekonferenz und
diese Zeilen möglich wurden. Leider ist diese Haltung nicht
selbstverständlich. Etliche Kolleg_inn_en reden im Gegensatz
dazu nicht einmal persönlich über solche Mißstände
miteinander - was solches Vorgehen von Firmen ebenso
ermöglicht wie das bisherige Schweigen der Uni - die nur
auf das Geld sieht.
Nach dieser Uni-Leitung die Sintflut?
Das ist kein Einzelfall. Kurz nach der Kündigung von Olga
Stecker wurde bekannt, dass die Firma weitere Kündigungen
ausgesprochen hat: 6 weitere Leute verlieren ihren
Arbeitsplatz. Bei allen ist Krankheit mit im Spiel. Durch
das Gesetzes-Machwerk der "Rosa-Giftiggrünen" Regierung,
pardon - natürlich "Rot-Grün" - aus dem Jahre 2000 und der
Nachverschlimmbesserung von Rosa-Tiefschwarz - Ihr wißt
schon, das ist die fragwürdige Vereinigung der "die
Mehrwertsteuer wird nicht oder um maximal zwei Prozent
erhöht" Mehrwertsteuerbetrüger_inn_en in den vergangenen
Jahren bedarf es bei einer entsprechenden Formulierung des
Arbeitsvertrages keiner Begründung einer Kündigung. Auch
dieses Gesetz erfüllt sicherlich den Tatbestand der
Entrechtung durch Gesetz - welcher von Frau Prof. Dr. Helga
Spindler bei der wissenschaftlichen Tagung der
Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg am 29.11. vorgestellt
wurde. Weiteres siehe dort:
Oldenburger STACHEL
und dann
"Was fehlt"
"Wasserdichte" Verträge sind Indiz für Vorsatz
Der Vertrag der Fa. Weichelt ist entsprechend formuliert.
Nach Auffassung der Gewerkschaft IG-Bau ist dieser
augenscheinlich von einer juristischen Abteilung
ausgearbeitet, um die blitzartige und problemlose
"Trennung" von den "lieben Mitarbeiter_inn_en" zu
ermöglichen. Dieser menschenverachtende Wahnsinn hat also
Methode und es ist Vorsatz zu unterstellen. Wem gehört
eigentlich diese Firma? Wer entscheidet, so mit Menschen
umzugehen? Welche Eigenschaften zeichnen eine Person aus,
derartige gemeine Entscheidungen zu verantworten? Ist den
Verantwortlichen klar, dass unter solchen Entscheidungen
ganze Familien zu leiden haben? (Lidl, ik hör Dir trapsen.
D. Tipper)
Früher hatten an der Uni alle den gleichen Arbeitgeber
Das war nicht immer so: Ursprünglich waren auch die
Putzkräfte bei der Universität angestellt. Doch dann nahm
eine neue (?) amerikanische Methode ihren Lauf:
"Outsourcing" - die Weichen wurden gestellt, dass
problemloses "Hire and Fire" nun auch hierzulande möglich
ist. (Vielleicht aber ist das gar nicht so "amerikanisch",
sondern eine ganz normale Entwicklung in der Gesellschaft,
die da Kapitalismus genannt wird?)
Firmenwechsel
Jedenfalls wechselt die Universität, die sich nach dem
Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky benennt, seit
einigen Jahren die Reinigungsfirmen, wie mancher seine
Oberhemden. So wurde vor ca. 2 Jahren der Vertrag mit der
Firma Rational aus Delmenhorst beendet, wo mittlerweile die
ehemaligen Bediensteten der Universität angestellt waren.
Wie geht Dumping?
Wie macht es nun eine Firma, dass sie ein Angebot deutlich
unter dem Preis machen kann, der bisher gezahlt wurde?
Richtig, das ist nicht ganz so schwer zu erraten: das geht
- hier im konkreten Fall im wahrsten Sinne des Wortes - auf
die Knochen der Beschäftigten. Z.B. wurde in einem Bereich,
wo früher zwei Personen acht Stunden gearbeitet haben
nunmehr eine Person für vier Stunden ins Rennen geschickt.
Mittlerweile, so wird berichtet, wird auch schon mal jemand
aus dem sauer verdienten Urlaub geholt und darf dann im
"Sondereinsatz" unbezahlte Sonderschichten schieben - auf
dass alles Piccobello sei.
Arbeit im Rennen - ist Akkord
Und Akkord - das ist Mord
Ja wirklich: da kommt mensch aus dem Rennen nicht mehr
raus, wenn die Aufgaben auch nur einigermaßen bewältigt
werden sollen. Frau Olga Stecker hat nun die Folgen gleich
doppelt zu tragen: sie hat sich abgerackert, bis sie schwer
krank wurde und sie wurde auf die Straße gesetzt.
Die weitere "sozial-ökologische" Errungenschaft der
früheren Regierungsbesatzung - Hartz IV - läßt schon mal
grüßen. - Wie hatte doch die damalige Opposition im
Bundestag dem Herrn (!) Bundeskanzler Schröder Respekt
gezollt: "Wir wußten gar nicht, dass Sie so gut im
Sozialabbau sind. Das hat unser Dicker nicht gewagt." Ja,
da haben die Kolleg_inn_en von der schwarz-traurigen
Gestalt wirklich recht: das ist Sozialabbau qua
Gesetzeskraft. Durch das "Gesetz über Teilzeitarbeit und
befristete Arbeitsverträge" wird ganz offensichtlich
ermöglicht, dass gesellschaftliche Fortschritte bei
Kündigungsschutz und Solidarität im Krankheitsfalle
ausgehebelt werden.
Vor dieser Uni-Leitung gab es bereits eine Sintflut
Nun hat auch die Uni-Leitung langjährige Erfahrung,
Solidarität zu heucheln und die Menschen (finanziell)
kaltzustellen: Bereits der frühere Kanzler der Universität
(1991-1997) Wolf-Dietrich Freiherr (!)
von Fircks rühmte sich, er hätte etwas für den Aufbau Ost
getan, als er in den 90er Jahren den Thüringischen
Wachdienst Hebold auf die Uni aufpassen ließ. Das hatte
außer vielen Nachteilen nur einen einzigen Vorteil für die
Uni - die waren vergleichsweise saubillig. Siehe auch:
"Vom langen Pendeln für den Aufbau des Ostens im Westen"
und:
"Hungerlöhne an der Universität"
Und wie funktionierte das? Richtig: Das ging auf die Knochen
der Menschen, die für Herrn (!) Hebold tätig waren.
Verstoß gegen verbindliche Flächentarifverträge durch
Beauftragte der Universität
Sie wurden nicht nach Tarif bezahlt - obgleich es in
Niedersachsen einen verbindlichen Flächentarifvertrag gibt
- dafür "durften" sie so richtig arbeiten: Es gab Schichten
von 3 Tagen, ebenso wie ich Stundenzettel von über 300 (!)
Stunden im Monat gesehen habe. (Dazu ist natürlich noch die
niederfrequentige Pendelei nach Thüringen zu betrachten,
die doppelte Haushaltsführung ...) Zum Vergleich: Bei den
mittlerweile im Gebäudereinigungsgewerbe üblichen 39
Stunden pro Woche ergibt sich eine monatliche
Durchschnittsarbeitszeit von 169 Stunden.
Dort bleibt der "Solidaritäts"zuschlag
Allerdings wurde die Last dieser "Solidarität"
gleichmäßiger verteilt, als in anderen Situationen: Denn es
liegt auf der Hand, dass wir alle unser Scherflein
beigetragen haben, um Gelder für den "Aufbau Ost" in das
Portemonaie von Herrn (!) Hebold zu zahlen.
Der Altkanzler wird Chef einer "richtigen" Uni
Nun, natürlich hat sich diese Form der "Solidarität" nicht
allein im wahrsten Sinne des Wortes ausgezahlt: Freiherr (!)
von Fircks ist später die Leiter raufgefallen und wurde
Kanzler der FU in Berlin - das nächste Projekt, dass
zu "modernisieren" war, wie er bei seinem Abschied in
Oldenburg meinte. Mittlerweile "landete" er in Wien. Siehe:
(Lebenslauf Freiherr von Fircks)
Es ist also nicht so, dass sich Sozialabbau nicht lohnen
würde. Es fragt sich immer nur, für wen.
Lokale und Regionale Beschaffung ist nachhaltig
Dieser Vertrag mit der Firma Hebold stellte übrigens einen
klaren Verstoß gegen die Beschaffungsrichtlinien des Landes
Niedersachsen und die der Universität dar: Dort war klar
geregelt, dass lokal und regional zu beschaffen seien
Material und Personal. Dabei dürfte problemlos das
Verständnis zu vermitteln sein, dass solche Beschaffung
immer klimafreundlicher ist als weite Wege. Die
Mitarbeiter_inn_en pendelten weit über 500 km.
Warum nun die Firma Weichelt aus Idstein hier in Oldenburg
die Reinigung bewerkstelligt, ist fragwürdig. Idstein ist
von Oldenburg 432 km entfernt. Gibt es keine Firma, die
ihren Sitz näher hat? Es gibt auch Fragen an die Firma
Nordwacht: Wie ist das dort heutzutage mit den Löhnen und
den Arbeitszeiten?
Forderungen an die Uni
Die Uni-Leitung muß (!) bei dem Abschluß von Verträgen
darauf achten, dass die Umwelt so wenig wie möglich
geschädigt wird und sie muß (!) darauf achten, dass soziale
Mindeststandards für die jeweilige Belegschaft garantiert
sind. Die Uni-Leitung muß sich für eine
Weiterbeschäftigung von Olga Stecker einsetzen.
Gerold Korbus
Nachsatz:
Persönlich habe bei den Kontakten mit den vielen Herren (!) ein gewisses
Verständnis entwickelt, warum Bertolt Brecht einst darauf bestand: "Ich bin
kein Herr!" (vgl:
Deutschlandfunk - Interview - Menschenfreund Bertolt Brecht
Nachsatz 2:
Zur aktuellen Situation und der Position der Universität befragt, äußerte sich der Pressesprecher der Uni, Herr (!) Harms:
"Wenn wir bei allen Firmen, die wir beauftragen, uns um arbeitsrechtliche Dinge kümmern würden, dann kämen wir nicht mehr dazu, unsere
eigentlichen Aufgaben wahrzunehmen."
Angesprochen auf die doch extreme Situation: "Das mag sein. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mich wörtlich zitieren würden."
Ob er damit auch meinte, dass ein Gespräch kaum möglich war, weil jeder Satz unterbrochen wurde? Klar ist jedoch geworden, dass
aus einem Hause Harms keine Unterstützung zu erwarten ist.
|
|