--->>> Münstersche Zeitung - MZ Nr. 258 vom 4.11.2008 S. MSLO2
KURZ BERICHTET
Argentinische Energie-Konzepte
Münster
Der DGB-Kreisverband, der AStA der Uni, attac und das Umweltforum laden
heute Abend zu einer Diskussion ein. Ab 19.30 Uhr geht es im DGB-Haus
(Zumsandestraaße 35) um "Energie als Menschenrecht" und die ökologischen
Folgen. Referent José Rigane steht einer Energiegewerkschaft in Argentinien
vor. Er setzt sich dort für ein Verbot von Stromabschaltungen und die
Einführung von Sozialtarifen ein.
--->>> Münstersche Zeitung - MZ Nr 258 vom 4.11.2008 S. MSLO3
Bild: Setzt sich für günstige Energie in Argentinien ein: Gewerkschaftler José Rigane.
Stromversorgung für Ärmste
Argentinischer Gewerkschaftler in Münster
Münster
Trotz steigender Energiepreise ist die Lage in Münster längst nicht so arg
wie etwa im argentinischen Mar del Plata. Wie der argentinische
Generalsekretär der Gewerkschaft "FeTera"", José Rigane, gestern im
münsterschen Rathaus erklärte, hatten sich bis zum Jahr 2000 zahlreiche
Argentinier keine Stromversorgung mehr leisten können. Die Preise der
privatisierten Anbieter waren zu hoch.
"Nach wie vor herrscht in Argentinien eine dauerhafte Energiekrise", sagte
Rigane, der auf Einladung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Münster,
der Globalisierungskritiker von Attac und des Umweltforums Münster zu Gast
in Münster ist. "FeTera" habe aber dafür gesorgt, dass auch ärmere Bürger
mit Strom versorgt sind: Die Gewerkschaftler setzten gegen die
Energieunternehmen einen 50 Prozent günstigeren Sozialtarif für REntner,
Arbeitslose und Geringverdiener durch.
Auch in Münster gebe es zu viele Menschen, die ohne Energieversorgung
lelben, sagte Carsten Peters, DGB-Mitglied und Ratsherr der Grünen. Zwar
sänken die Zahlen der Haushalte, die von den Stadtwerken jährlich vom Netz
genommen würden, dennoch seien sie ein Problem.
Elisabeth Borgmann von "Münster solidarisch" erklärte, die Stromversorger
müssen auch in Deutschland aus der privaten Hand in die der Kommunen
zurückgeholt werden.
cki
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--->>> Westfälische Nachrichten Nr. 261 R MS 4 vom 7.11.2008
Strom und Gas für alle
Argentinischer Gewerkschafter berichtete von seinem Kampf für einen Tarif für Arme
-pse- Münster
Ein Leben ohne Strom? Für die meisten Menschen kaum vorstellbar. Die Energie
sorgt dafür, dass der Dom angestrahlt wird und später im Jahr die
Lichterketten rund um den Prinzipalmarkt leuchten. Strom ist vor allem
lebenswichtig: Wer kochen, telefonieren oder abends lesen will, ist auf die
Versorgung angewiesen. Eine Steckdose bringt jedes Gerät zum Laufen -
vorausgesetzt, der Verbraucher hat seine Rechnung bezahlt. Mehrere
hunderttausend Haushalte können das laut dem Bund der Eneergieverbraucher
aber nicht, Strom oder Gas werden deshalb gesperrt.
José Rigane, Vorsitzender der Energiegewerkschaft "Luz y Fuerza" in
Argentinien, hielt jetzt auf Einladung von DGB, Attac, Umweltforum Münster
und AStA der Universität im Haus des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB)
einen Vortrag zum Thema "Energie für alle!" Keine Selbstverständlichkeit,
wie der Gewerkschafter erläuterte. In Argentinien wurde gerade erst ein
Stromtarif für die Armen erkämpft, der deren Stromkosten um bis zu 50
Prozent senken soll. "Eine Familie kann nur mit Wasser, Strom und Gas
leben", begründete Rigane den Kampf in einem Land, das seit den 70er Jahren
eine beispiellose Privatisierungswelle erlebt habe. "Vorher kannten wir
keine Armut", sagte er, die Arbeitslosigkeit habe bei fünf Prozent gelegen
- sei in der Folge aber auf 25 Prozent angestiegen.
Trotz anderer Voraussetzungen ist auch in Münster das Thema nicht so fremd,
wie es zunächst scheinen mag. So erinnerte Carsten Peters vom DGB an den
Kampf gegen die Teil-Privatisierung der Stadtwerke vor sechs Jahren.
Lutz Kerkeling, Wissenschaftler aus Münster, brachte seine Verwunderung
darüber zum Ausdruck, dass nicht mehr Menschen gegen die Bahnprivatisierung
auf die Straße gingen - und erzählte gleichzeitig von einem Aufenthalt im
Süden Mexikos, wo die Einwohner inzwischen "autonome Elektriker"
ausbildeten, die Stromleitungen anzapften, weil sie anders nicht an Energie
gelangten. "Strom erhalten dort nur große Industriekomplexe oder diejenigen,
die ihn sich leisten können."